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Impuls / Wort zum 18.
"Er ist ganz Ohr!", "Kannst du mir mal dein Ohr leihen"
Sicher kennen Sie solche Ausdrücke. Ausdrücke, die seltsam wirken, wenn man sie sich bildlich vorstellt! Da besteht einer nur aus Ohr und von einem anderen erwartet man, dass er mir sein Ohr gibt, wenigstens leihweise. - Es ist das, was wir erwarten von anderen und was uns manchmal schwer fällt anderen gegenüber. Immer wieder ertappe ich mich dabei: Das Ohr am Funk, die Hände auf der Tastatur, die Augen auf dem Bildschirm und die Füsse auf Sprung ... Forschungsergebnisse zeigen: Im Durchschnitt hören wir nur 17 Sekunden lang zu, bevor wir unser Gegenüber unterbrechen und unsere eigenen Vorstellung vortragen.
An unserer Weihnachtskrippe trägt eine Hirtenfrau einen weiten Schleier. Es scheint, als ob sie grosse Ohren hat. Ihren Finger hält sie auf den Mund. Von der Seite sieht es aus, als ob sie nur einen halben Mund hat. Als eine Mutter mit ihrem Kind die Krippe besuchte, sprach sie lange auf das Kind ein. Plötzlich meinte dieses, im Blick auf die Hirtenfrau: "Manchmal wäre es besser, du hättest zwei Ohren und nur einen halben Mund!"

Im Zug habe ich letzthin das Gespräch zweier Personen mitverfolgt. Das heisst, ich sah nur eine der beiden - diejenige, die mehrheitlich einfach zuhörte. Dieses Bild faszinierte mich! Immer wieder schaute ich auf die zuhörende Frau und dachte, wie schön und ansprechend sind zuhörende Menschen. Noch heute habe ich dieses Bild in mir und wünsche mir, auch solche Ohren für andere zu haben.
In einer Woche feiern wir das Fest Maria Verkündigung. Ein Mensch, eine Frau, die ganz Ohr war für Gott, und darum für die Menschen, ist Maria. Jemand schreibt: "Wenn Maria als Pilgernde Mutter zu mir kommt und ich sie anschaue, scheint es mir, dass sie mir intensiv und interessiert zuhört, dass sie ein offenes Ohr für mich hat. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sie den Menschen hilft, wenn sie in Not sind. Eine Frau hat das Pilgerheiligtum länger bei sich behalten wegen einem Todesfall in ihrer Familie, der sie sehr betroffen hat. Die Gottesmutter habe ihnen in dieser schweren Zeit viel Kraft und Trost geschenkt und für ihre Sorgen wirklich ein offenes Ohr gehabt. " X., 08
Heute, am 18. des Monates, gibt die Dreimal Wunderbare Mutter von Schönstatt an vielen Orten der Welt, erneut die Zusage "ganz Ohr" zu sein. Ja, sie leiht den Menschen ihr Ohr. Noch mehr - sie schenkt uns ihre Ohren. Im Liebesbündnis bietet sie uns einen Ohrenaustausch an. Nicht nur sie schenkt, auch wir sind dazu eingeladen. Und wir schenken nicht irgendetwas, sondern etwas Greifbares, Sichtbares, etwas ganz Konkretes und Alltägliches - unsere Ohren. Um den ganzen Erdball wird heute, am 18., Stunde um Stunde neu erklingen: "Ich schenke dir meine Ohren, ich weihe dir meine Ohren, mes oreilles, le mie orecchie, my ears, mis oìdos, swoje uszy ... usw."
Ich wünsche und erbitte Ihnen und mir ein offenes Ohr für Gott und für die Menschen. Sr. Ursula-Maria Bitterli
"Unser Zuhören darf kein langweiliges, müdes Zuhören sein. Wir müssen aus Interesse zuhören. Interessiert sich interessieren. ... Wenn ich meine Mitmenschen gern habe, dann habe ich Interesse für alles: ob mein Gegenüber Kopfweh hat, oder ob seine Seele krank ist, oder ob er seinen Geldbeutel verloren hat ..."
P. J. Kentenich
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