Impuls / Wort zum 18.
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Impuls / Wort zum 18.

Impuls - Im Zeichen der Fussball-Weltmeisterschaft

Ich bin kein Fussballer und auch kein Fussballfan. Erst einmal war ich in der AFG-Arena und habe mir ein Spiel zwischen dem FC St. Gallen und dem FC Wil angeschaut. Wie bei meinem ersten Besuch bei einem Fussballspiel (damals noch im legendären Espenmoos) war es für mich ebenso spannend in die Menge der Zuschauer und Fans zu schauen, als auf das Spielfeld, wo die Mannschaften ihr Bestes gaben.
Was fasziniert mich am Fussball? Als Jugendleiter war ich einmal in einem Lager für Kinder in Kandersteg dabei. Da kamen wir auf die Idee, Altbundesrat Ogi einzuladen, damit er uns etwas über sein Engagement für den Sport in der Schweiz und darüber hinaus erzähle. Diese Stunde mit ihm im Gespräch blieb mir bis heute in guter Erinnerung. Er hat uns begeistert von seiner Vision erzählt, mittels Sport eine friedlichere Welt zu gestalten. In diesem Sinne berichtete er uns auch von vielen konkreten Erfahrungen, die er gemacht hatte: Wie Menschen durch das Mannschaftsspiel lernen, rücksichtsvoll miteinander umzugehen oder wie das gemeinsame Spiel Angehörige verschiedener Nationen und Kontinente verbinden kann. Gerade diese Dimension habe ich selber auch schon erlebt. Einmal kam ich mit einer Jugendgruppe auf den Fussballplatz und da sahen wir, dass er schon besetzt war; zuerst dachten wir schade, dann müssen wir aufs Spielen verzichten. Aber die jungen Leute aus dem Welschland, die da spielten, luden uns spontan zum Mitspielen ein und es gab eine gute Begegnung über Sprach- und Kulturgrenzen hinweg.
Diese Dimension vom Mannschaftssport, die Menschen miteinander über Grenzen hinaus in Kommunikation bringt, ist eine grosse Chance. Beim miteinander Spielen geschieht meist mehr, als wenn man diese Zeit mit Reden verbringen würde. Im Blick auf die kommende WM in Südafrika gab es in diesem Sinn in Zürich auch ein Freundschaftsspiel zwischen dem sogenannten FC Religionen und dem FC FIFA. Das Interessante ist, dass bei der Mannschaft des FC Religionen Vertreter der verschiedenen Religionsgemeinschaften in Zürich mitspielten, so z.B. der evangelische Pfarrer, ein Imam, ein Rabbi usw... Hier wird der Sport zum völker-, kultur- und sogar religionsverbindenden Element.
Neben diesen positiven Aspekten hat natürlich vor allem der Spitzensport auch negative Auswirkungen, wie oft geht es mehr um das Geld als um das Spiel oder die Verbindung von Sport und Gewalt, wie wir es in unserer Zeit erleben. All dies verdunkelt die genannten positiven Seiten.
Für mich hat das Spiel, sei es im Sport oder sonst, immer auch symbolische Bedeutung für unser Leben. Oft ist unser Leben wie ein Fussballspiel: Bälle werden uns zugespielt und wir sind herausgefordert zu reagieren. Wo muss ich mich hinbegeben, um den nächsten Pass zu erhalten? Stehe ich genug frei, damit mir jemand den Ball zuspielen kann? An wen gebe ich den Ball weiter? Oft spüren wir, dass neben den Mitspielern in Form unserer Mitmenschen auch Gott selber dabei ist in diesem Spiel des Lebens. Er fordert mich heraus, manchmal spielt er mir etwas ganz sachte zu, manchmal sind seine Bälle heftig und unvorhersehbar. Was mir an diesem Bild "Gott als Mitspieler im Spiel meines Lebens" gut gefällt ist, dass Gott mit mir spielt. Er hilft mir, das Ziel meines Lebens, denn Sinn meines Lebens zu finden, um das zu entdecken, spielt er mir, sei es direkt oder durch meine Mitmenschen, diesen oder jenen Ball zu.
So wünsche ich Ihnen in dieser Zeit der Fussball WM nicht nur ein paar schöne Goals im Fernsehen (natürlich auch von unserer Schweizer Nationalmannschaft), sondern auch einige schöne "Pässe", die Sie auf dem Weg Ihres Lebens weiterbringen.

Noch ein Witz: Auch im Himmel ist Fussball gelegentlich ein wichtiges Thema. Kürzlich besuchte der Teufel Petrus. Grund: der Vorschlag für ein Fussballspiel "Himmel gegen Hölle." Petrus antwortete: "Das macht keinen Sinn. Alle guten Fussballer kommen in den Himmel. Ihr habt keine Chance." Grinst der Teufel: "Das glaubt ihr. Wir haben die Schiedsrichter."

5. Juni 2010, P. Raffael Rieger

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